Netzwerkstatt für Frankfurt

Infrastruktur Minister Crumbach in der NWST

Neue Wege zum Flughafen BER für Frankfurt
Infrastrukturminister Crumbach setzt auf eine täglich regelmäßige Flixbus-Anbindung - auch die Regionalbahn nach Königs Wusterhausen könnte künftig eine Rolle spielen. Von Heinz Kannenberg 

Frankfurt (Oder). Wenn die Bahnstrecke zwischen Berlin und Frankfurt (Oder) in den kommenden Jahren saniert wird, drohen der Stadt erhebliche Einschränkungen bei der Erreichbarkeit. Brandenburgs Infrastrukturminister Robert Crumbach (SPD) will deshalb nicht nur den Ersatzverkehr organisieren, sondern zugleich neue Wege für die Verbindung zum Flughafen BER schaffen. Auch bei der Energieversorgung setzt er auf Lösungen direkt am Standort. Crumbach besuchte am Mittwoch die Frankfurter Netzwerkstatt, eine Plattform für Gespräche über Stadtentwicklung und wirtschaftliche Projekte. Mit dabei waren der Präsident des Hanseclubs Wirtschaft, Markus Jahn, und der SPD-Landtagsabgeordnete Mathias Steinfurt. 

„Eine funktions- und ausbaufähige Infrastruktur sehen wir als entscheidende Voraussetzung für die weitere Entwicklung von Frankfurt (Oder)“, sagte Jahn. Sorgen bereiteten insbesondere die Erreichbarkeit über den RE1 und die A12 sowie die derzeit verfügbaren Netzanschlusskapazitäten für bestehende Unternehmen und neue Ansiedlungen. Verlässliche, leistungsfähige und gut aufeinander abgestimmte Verkehrsverbindungen seien für Unternehmen und Beschäftigte eine wesentliche Voraussetzung für die Standortentwicklung. Im Mittelpunkt stand zunächst die Sanierung der Bahnstrecke Berlin–Frankfurt (Oder). Für die Jahre 2029/30 sei mit der Deutschen Bahn inzwischen über Teilsperrungen statt einer vollständigen Sperrung gesprochen worden, berichtete Crumbach. Einfach seien die Verhandlungen allerdings nicht. „Für mich hat im Land die Sanierung der Strecke für den RE1 absolute Priorität“, betonte er. Die Bauarbeiten würden wegen notwendiger Umleitungen auch Auswirkungen auf den internationalen Zugverkehr nach Polen haben.

Gleichzeitig soll Frankfurt besser an den Flughafen BER angebunden werden. Crumbach berichtete von Gesprächen mit dem Bund über eine täglich regelmäßige Flixbus-Verbindung zwischen Frankfurt und dem BER – und zwar nicht nur für die Zeit des Schienenersatzverkehrs. „Ich bin nach einem Gespräch mit dem Bundesverkehrsminister zuversichtlich, dass uns das gelingen wird“, sagte der Minister. Der Bund sei für den Vorschlag aufgeschlossen. Auch eine Bahnverbindung über Königs Wusterhausen nach Schönefeld könne künftig bei der Anbindung an den BER eine Rolle spielen. Hintergrund ist nach Crumbachs Darstellung auch die Finanzierung des Ersatzverkehrs: Die Strecke Berlin–Frankfurt gehöre nicht zu den vom Bund als Hochleistungskorridor eingestuften Strecken. Im Rahmen des Schienenersatzverkehrs würden zudem Busse, nicht aber zusätzliche Zugangebote finanziert. Eine zusätzliche Haltestelle in Booßen für die RB26 kann Frankfurt dagegen nach derzeitiger Einschätzung nicht mittelfristig erwarten. Dafür fehlten die finanziellen Spielräume im Landeshaushalt.

Neben der Verkehrsinfrastruktur ging es um die Stromversorgung. Unternehmensberater Martin Wilke warnte, dass fehlende Netzanschlusskapazitäten zunehmend zu einem Standortproblem werden könnten. Brandenburg verfüge zwar über einen hohen Anteil erneuerbarer Energien, der Ausbau der Netze komme jedoch nicht schnell genug voran, um neue Ansiedlungen kurzfristig ausreichend mit Strom zu versorgen. Wilke brachte deshalb ein grundlastfähiges Kombinationskraftwerk für Frankfurt ins Gespräch. Windkraft, Photovoltaik, Brennstoffzellen und Speicher sollen dabei miteinander verbunden werden. Das Konzept sei bereits Stadtverwaltung, Stadtverordneten und Stadtwerken vorgestellt worden.

Crumbach unterstützt den Ansatz grundsätzlich. „Jeder Standort muss seine Lösung finden“, sagte er. Ein solches Kombinationskraftwerk passe gut in die Strategie des Landes. Eine Entscheidung für oder gegen das eine oder andere der derzeit geplanten zwei großen Rechenzentren in Frankfurt wolle er daraus allerdings nicht ableiten. Markus Jahn machte dagegen deutlich: „Wir wollen beide Projekte zügig umsetzen.“ Beide Projekte zeigten, so Ex-Oberbürgermeister Wolfgang Pohl: "In Frankfurt ist mehr möglich." Crumbach verwies zugleich darauf, dass künftig neben großen Rechenzentren auch kleinere, dezentrale Standorte eine Rolle spielen könnten.

Für die weitere wirtschaftliche Entwicklung Frankfurts sieht der Minister vor allem die Stadt selbst in der Pflicht. Wirtschaftspolitik müsse letztlich darauf zielen, industrielle Arbeitsplätze und damit langfristige Wertschöpfung zu sichern. Frankfurt müsse deshalb klarer formulieren, wohin sich die Stadt entwickeln wolle, und diese Interessen selbstbewusster vertreten. Dazu gehört für Crumbach nach eigener Einschätzung auch eine intensivere Zusammenarbeit mit Polen. Gerade in der grenzüberschreitenden Kooperation sieht er noch Potenzial, das Frankfurt stärker für die eigene wirtschaftliche Entwicklung nutzen könne.