Leise Töne im Advent
Erinnerungstafel Carl Philipp Emanuel Bach studierte ab 1731 Jura in Frankfurt (Oder). Von Heinz Kannenberg
Mit leisen Tönen begann am 4. Adventsnachmittag eine besondere Stunde der Erinnerung. Rund 50 Gäste hatten sich in der Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Straße 13, gleich neben dem Museum Viadrina, versammelt, um die neue Erinnerungstafel für Carl Philipp Emanuel Bach einzuweihen. Die Veranstaltung fügte sich stimmungsvoll in die Frankfurter Adventszeit ein. Schon die musikalische Eröffnung durch den Blockflötisten Balduin Tschäpe ließ die Klangwelt des Komponisten lebendig werden. Zarte, zurückhaltende Melodien erfüllten den Nachmittag – passend zu den Gedanken der Begrüßung, die bewusst auf große Worte verzichtete und stattdessen die Bedeutung der leisen Töne, der Besinnung und des gemeinsamen Erinnerns in den Mittelpunkt stellte.
Carl Philipp Emanuel Bach ist einer der prägenden Übergangsfiguren der Musikgeschichte, ein Brückenbauer zwischen Barock und Klassik. Weniger bekannt ist, dass Frankfurt (Oder) zu seinen wichtigen Lebensstationen zählt. Ab 1731 setzte Bach, so der Historiker Karl Konrad Tschäpe vom Museum Viadrina, hier sein Rechtsstudium an der Viadrina fort – mit augenzwinkernder Bemerkung als „Langzeitstudent“. Zwar studierte er Jura, doch die Musik ließ ihn nicht los: Als Student verdiente er sich in Frankfurt (Oder) mit musikalischen Auftritten ein gutes Zubrot und knüpfte Kontakte, die seinen weiteren Weg beeinflussten. Hier begegnete er auch dem Kronprinzen Friedrich, dem späteren Friedrich dem Großen. Frankfurt (Oder) wurde so zu einem Ort des Übergangs – vom Studierenden zum freischaffenden Musiker, vom Lernen zum Aufbruch. Eine Parallele, die im Advent, der Zeit des Übergangs und der Erwartung, besonders spürbar wurde. Tschäpe ordnete Leben und Werk des Komponisten ein und erinnerte daran, dass Carl Philipp Emanuel Bach lange im Schatten anderer großer Namen stand. In seiner Zeit wirkten zahlreiche berühmte Musiker, Namen über Namen – und erst spät wurde seine eigenständige Bedeutung wiederentdeckt. Umso wichtiger sei es, ihn heute sichtbar im Stadtraum zu verankern.
Mit der nun enthüllten Tafel – der inzwischen neunten im Projekt „Frankfurter Köpfe“ der Frankfurter Netzwerkstatt– wächst die Frankfurter Erinnerungskultur weiter. Die Sponsoren dieser Tafel, Dr. Martina Leisner und Ulf Leisner, betonten, dass gegenüber diesem Haus künftig mit der Marktostseite ein modernes Stadtquartier entstehen soll. „Wir gestalten unsere Stadt Frankfurt (Oder) für die Zukunft mit dem Wissen aus der Vergangenheit“, so ihr Credo. Ihr Dank galt den Unterstützern, dem Förderverein des Museums Viadrina, und den Werbeagenturen Giraffe sowie Nowka & Forster für die Gestaltung und Herstellung der Tafel.
Den musikalischen Schlusspunkt setzte erneut Balduin Tschäpe mit „Die Märkische Helene“ von Carl Philipp Emanuel Bach. Das Stück verbindet auf besondere Weise Region, Geschichte und Musik – und ließ erahnen, wie Bachs Klänge einst auch durch das winterliche Frankfurt (Oder) gezogen sein könnten. Ein leiser, warmer Ausklang eines Adventsnachmittags, der zeigte: Erinnerung kann klingen.

Nach der Enthüllung öffnete sich symbolisch auch das 21. Türchen des „Lebendigen Frankfurter Adventskalenders“. Bei Glühwein, Keksen und Stollen kamen die Gäste im Tordurchgang des Museums Viadrina ins Gespräch – über Bach, über weitere Erinnerungstafeln und über die Frage, wie Geschichte im Alltag präsent bleiben kann.
