Netzwerkstatt für Frankfurt

Einweihung Erinnerungstafel Gebrüder von Humboldt

Erinnerungstafel für Wilhelm und Alexander von Humboldt feierlich enthüllt

Am 23. Juni 2026 wurde am Hauptgebäude der Europa-Universität Viadrina die inzwischen elfte Erinnerungstafel im Projekt „Frankfurter Köpfe“ der Frankfurter Netzwerkstatt feierlich enthüllt. Sie erinnert an Wilhelm und Alexander von Humboldt, die im Wintersemester 1787/1788 an der damaligen Viadrina immatrikuliert waren und während ihres Frankfurter Studienaufenthaltes im Pfarrhaus von St. Marien wohnten.

Zur Eröffnung begrüßte Prof. Dr. Gangolf Hübinger die zahlreichen Gäste und erinnerte daran, dass mit der neuen Erinnerungstafel ein bislang wenig sichtbares Kapitel der Frankfurter Universitätsgeschichte wieder in das öffentliche Bewusstsein gerückt wird.

Der Kanzler der Europa-Universität Viadrina, Robert Nissen, hob in seinem Grußwort die besondere Bedeutung der Brüder Humboldt für die heutige Universität hervor. Wilhelm von Humboldt stehe für Bildung, Sprache und die Idee der Universität als Ort freier geistiger Entfaltung, Alexander von Humboldt für wissenschaftliche Neugier, internationale Zusammenarbeit und eine Forschung, die Grenzen überschreitet. Gerade diese Werte prägten auch das Selbstverständnis der heutigen Europa-Universität Viadrina.

In seiner Laudatio zeichnete der ehemalige Stadtarchivar OA Ralf-Rüdiger Targiel ein lebendiges Bild der Frankfurter Studienzeit der Brüder Humboldt. Er erinnerte daran, dass beide Ende September 1787 gemeinsam mit ihrem Erzieher Gottlob Johann Christian Kunth nach Frankfurt (Oder) kamen und bei ihrem früheren Hauslehrer, Professor Friedrich Josias Löffler, im Pfarrhaus von St. Marien wohnten. Bereits wenige Tage später wurden sie an der Viadrina immatrikuliert – Wilhelm für die Rechtswissenschaft, Alexander für die Kameralistik.

Targiel machte deutlich, dass das Frankfurter Semester lange Zeit unterschätzt wurde. Neuere Forschungen zeigen jedoch, dass gerade hier wichtige Grundlagen für die wissenschaftliche Entwicklung beider Brüder gelegt wurden. Besonders für Alexander von Humboldt wurden die Begegnungen mit Frankfurter Professoren und erste naturkundliche Studien zu einem Ausgangspunkt seines späteren Wirkens als Universalgelehrter.

Ein besonderer Aspekt der Laudatio war der Hinweis auf die Erinnerungskultur der Stadt selbst. Bereits nach dem Tod Alexander von Humboldts im Jahr 1859 beschloss der Frankfurter Magistrat, am damaligen Pfarrhaus eine Gedenktafel anzubringen. Sie gilt als die erste Gedenktafel der Stadt Frankfurt (Oder) überhaupt und zugleich als eine der ersten gemeinsamen Ehrungen der Brüder Humboldt in Deutschland. Mit der Zerstörung des Pfarrhauses im Zweiten Weltkrieg verschwand auch diese Erinnerung. Die nun enthüllte Tafel knüpft bewusst an diese historische Tradition an und macht sie für die Stadtgesellschaft wieder sichtbar.

Die Erinnerungstafel wurde durch die Humboldt Societät Frankfurt (Oder) sowie Frankfurter Geschichtsfreunde finanziell unterstützt und von der Frankfurter Netzwerkstatt initiiert und koordiniert. Sie ist Teil des Projektes „Frankfurter Köpfe“, mit dem bedeutende Persönlichkeiten der Stadtgeschichte dauerhaft im öffentlichen Raum sichtbar gemacht werden.

Wie alle Erinnerungstafeln des Projektes ist auch die Humboldt-Tafel über einen QR-Code mit digitalen Inhalten verknüpft. Besucherinnen und Besucher erhalten dadurch Zugang zu weiterführenden Informationen, historischen Dokumenten, Bildern, 360°-Panoramen sowie zur interaktiven Erinnerungskarte der Frankfurter Netzwerkstatt.

Mit der Enthüllung der elften Erinnerungstafel wächst die digitale Erinnerungslandschaft der Stadt weiter. Bereits heute befinden sich zahlreiche weitere Tafeln für bedeutende Persönlichkeiten der Frankfurter Stadtgeschichte in Vorbereitung.

Ein besonderer Dank galt zum Abschluss der Veranstaltung allen Beteiligten, die zum Gelingen des Projektes beigetragen haben. Prof. Dr. Gangolf Hübinger würdigte dabei ausdrücklich auch die technische und organisatorische Vorbereitung durch den Geschäftsführer der Frankfurter Netzwerkstatt, Klaus Baldauf. Hervorgehoben wurden insbesondere die Entwicklung der digitalen Begleitangebote mit QR-Code, die Einbindung in die interaktive Erinnerungskarte sowie die organisatorische Gesamtkoordination des Projektes.

Gerade diese Verbindung von klassischer Erinnerungskultur und digitalen Informationsangeboten ist ein wesentliches Merkmal des Projektes „Frankfurter Köpfe“. Die Erinnerungstafeln erschließen nicht nur historische Orte im Stadtbild, sondern ermöglichen über QR-Codes den unmittelbaren Zugang zu weiterführenden Informationen, Dokumenten, Bildern, 360°-Panoramen und später auch zu Videoaufzeichnungen der Einweihungsveranstaltungen.

Mit den Fotografien der heutigen Veranstaltung wird die Dokumentation zunächst ergänzt. Die Videoaufzeichnung mit den Grußworten, der Laudatio und der Enthüllung der Erinnerungstafel wird nach der Bearbeitung ebenfalls über die Projektseite zur Verfügung gestellt und vervollständigt damit die digitale Dokumentation der Veranstaltung.