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Ein Frankfurter Lebensweg im 20. Jahrhundert

Hermann Arndt, später bekannt als Zvi Aharoni, auch Ṣevî Aharoni; hebräisch צבי אהרוני; wurde am 6. Februar 1921 in Frankfurt (Oder) geboren. Seine Familie hieß Aronheim. Der Vater Heinrich Aronheim war Rechtsanwalt, die Mutter Eugenie, geborene Simon, leitete nach dem Tod des Vaters die Auswanderung der Familie in die Wege.

Die Familie lebte in einem Haus in der Ferdinandstraße 15. Hermann besuchte zunächst die Grundschule in der Fürstenwalder Straße und ab 1930 das Friedrichsgymnasium in der Gubener Straße. Die Frankfurter Schulzeit endete in den Jahren nach 1933. Der ältere Bruder Hans Josef ging nach Palästina, 1935 verließ auch die Familie aufgrund der Krankheit des Vaters die Stadt und zog nach Berlin.

Hermann „Zvi“ Aronheim als junger Mann.

Das Haus in der Ferdinadstraße 15 in Frankfurt (Oder) 1933

Nach dem Tod des Vaters 1937 organisierte die Mutter die Ausreise. 1938 emigrierte Hermann Aronheim über Amsterdam, London und Paris nach Palästina. Dort lebte er zunächst bei seinem Bruder im Kibbuz Alonim bei Haifa und arbeitete in der Landwirtschaft. 1941 heiratete er Ursula Neumann. Ein Jahr später trat er in die britische Armee ein und war unter anderem als deutsch-englischer Übersetzer tätig.

Klassenfoto aus der Schulzeit; Hermann ist markiert.

Zvi Aharoni während seiner militärischen Jahre 1944 in England.

Nach dem Krieg lebte Aharoni in Haifa, studierte Architektur am Technion und nahm 1948 am israelischen Unabhängigkeitskrieg teil. Im selben Jahr trat er in den israelischen Inlandsgeheimdienst Shin Bet ein. Später arbeitete er für den Mossad. Eine zentrale Rolle spielte er 1960 bei der Fahndung nach Adolf Eichmann in Argentinien. Die Entführung Eichmanns aus Buenos Aires wurde zu einem der bekanntesten Fälle der Nachkriegsgeschichte. Der Prozess gegen Eichmann fand 1961 in Jerusalem statt.

Zvi Aharoni und Ricardo Eichmann lesen gemeinsam einen Bericht über die Entführung und Hinrichtung Adolf Eichmanns

1970 schied Aharoni aus dem Mossad aus und gründet seine eigene Detektei. Die folgenden Jahre führen ihn nach China, Frankreich, Italien, Österreich, Indonesien, Südamerika und schließlich in Südwestengland. Diese Stationen zeigen ein Leben, das durch Flucht, Neubeginn und Internationalität geprägt war.

Ausstellungsplakat „Ich bin ein Frankfurter“ über Hermann Arndt / Zvi Aharoni.

In den 1990er-Jahren kam es erneut zu Kontakten nach Frankfurt Oder und zum Friedrichsgymnasium.

1994 besuchte er seine ehemalige Schule in Frankfurt (Oder) und nahm später Kontakt zu Schülerinnen und Schülern auf. Im Jahr 2000 unterstützte er die Anbringung einer Gedenktafel für zwei ermordete Mitschüler. Bei dieser Gelegenheit bekannte er sich erneut zu seiner Herkunftsstadt mit den Worten:

„Ich bin ein Frankfurter.“

Mit der Erinnerung an Zvi Aharoni würdigt Frankfurt (Oder) einen Sohn der Stadt, dessen Lebensgeschichte die großen Umbrüche des 20. Jahrhunderts widerspiegelt: Ausgrenzung und Vertreibung, Exil und Neubeginn, Verantwortung und Erinnerung.

Hermann Arndt / Zvi Aharoni mit Peter Staffa im Jahr 2000 (?), der den Kontakt zwischen Schülern des Friedrichsgymnasiums und Arndt initiierte

Zvi Aharoni in späteren Jahren

Die Biografie von Zvi Aharoni verbindet die Geschichte von Frankfurt (Oder) mit der europäischen und internationalen Zeitgeschichte.

Hermann Arndt / Zvi Aharoni starb am 26. Mai 2012 in Südwestengland. Sein Lebensweg verbindet die Geschichte Frankfurt Oders mit den Brüchen des 20. Jahrhunderts: jüdische Kindheit in Deutschland, erzwungene Emigration, Aufbau eines neuen Lebens in Palästina und Israel, Beteiligung an der Aufarbeitung nationalsozialistischer Verbrechen und eine späte, vorsichtige, aber dennoch nachhaltige Rückkehr in die Erinnerung der Stadt.